Zehn Fragen an den Berliner Josef Bordat:
1. Welches Erlebnis verbinden Sie besonders mit Berlin? Was ist ihr Lieblingsplatz in Berlin?
Sicherlich die Einheitsfeier vor dem Reichstag vom 2. auf den 3. Oktober 1990. Ich war auf einer einwöchigen Schulfahrt in Berlin. Wir konnten natürlich nicht ahnen, welches große historische Glück wir haben würden, als wir ein Jahr zuvor Zeit und Ziel der Reise festlegten!
Lieblingsplatz? Vielleicht der Bebelplatz, nicht nur wegen der Hedwigskathedrale, sondern auch wegen der Oper und der juristischen Fakultät der HU. Hier treffen sich drei wichtige Säulen unserer Kultur: Kirche, Kunst und Recht. Und hier fand – als Ausdruck größter Un-Kultur – 1933 die Bücherverbrennung statt. Ein wichtiger Ort.
2. Haben Sie ein Lieblingsgericht und ein Lieblingsbuch?
In beiden Bereichen mehrere. Um es einzugrenzen: Indische und mediterrane Küche sowie theologisch-philosophische Literatur. Noch genauer geht es kaum, zumindest nicht beim Essen. Vielleicht bei der Literatur: Besonders fasziniert haben mich die „Theodizee” (Leibniz), die Werke Bartolomé de Las Casas’ und Peter Wusts „Ungewissheit und Wagnis”. Das Buch, was mich in den letzten Wochen begleitet hat, kann ich auch nur jedem wärmstens empfehlen – Richard Schröder: “Abschaffung der Religion?: Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen”.
3. An welche Worte ihrer Eltern erinnern Sie sich am besten? – Wie waren ihre Eltern?
„Junge, geh’ zeitig ins Bett, ernähr’ Dich gesund und sei fleißig!” – Sie waren (und sind!) halt sehr um mein Wohl besorgt. Ohne sie wäre ich nicht nur nicht da, wo ich jetzt bin, sondern nirgendwo. Das ist zwar eine banale Erkenntnis, dennoch sollte man sich das regelmäßig zu Bewusstsein kommen lassen und den Eltern in Dankbarkeit begegnen.4. Was waren die wichtigsten Stationen in ihrem Leben? Was waren konkrete, prägende Erlebnisse und Erfahrungen?
4. Was waren wichtige Stationen in ihrem Leben?
Wichtige Stationen waren einerseits die äußeren Rahmenereignisse des Berufslebens: Abitur, Studienabschluss, Promotion, die erste Veröffentlichung, der erste Kongress. Dann aber vor allem die privaten Ereignisse, also der Tag, an dem ich meine Frau Roxana kennen lernte (das ist jetzt 9 Jahre her), der Hochzeitstag (vor ziemlich genau 6 Jahren). Schließlich die Stationen des religiösen Lebens, die Kommunion und die Firmung, die sich in diesen Tagen zum 25. Mal jährt.
5. Gab es besondere Glücksmomente oder Schicksalsschläge in ihrem Leben? Wie würden Sie diese beschreiben. Was hat Ihnen bei der Verarbeitung geholfen?
Glücksmomente: viele. Diese Ereignisse zählen sicher dazu. Aber auch die vielen kleinen Glücksmomente, die man oft gar nicht als solche wahrnimmt, Erfahrungen, bei denen man sich erst in der Rückschau glücklich schätzt, sie gemacht zu haben. Große Schicksalsschläge – Gott sei Dank – noch keine, kleinere allerdings schon, bei deren Verarbeitung mir meine Glaube half und hilft.
6. Haben Sie einen Lebenstraum? Wo befinden Sie sich gerade bei der Erfüllung dieses Traums?
Sicher. Ein kleines Häuschen in der Heimatstadt meiner Frau in Peru. Da befinden wir uns in der Planungsphase.
7. Auf was sind sie besonders stolz – beruflich und menschlich? Was würden sie heute anders machen?
Stolz bin ich darauf, dass ich trotz widriger Umstände beharrlich um ein eigenes Profil kämpfe, in diesem Kampf Ecken und Kanten entwickelt habe und dass es mir gelingt, mich dabei in meinen Texten auch mit Fragen des Glaubens zu beschäftigen, die ich darin vielleicht nicht beantworte, aber doch reformuliere und neuen Sichtweisen zuführe. Stolz bin ich auch auf meine Vielseitigkeit und meine breite Ausbildung, obwohl ich heute vermutlich nicht mehr ein Ingenieurstudium absolvieren, sondern gleich in die Philosophie und Theologie einsteigen würde.
8. Welchen Rat würden sie einem jungen Menschen heute geben, der gerade ins Leben startet?
Naja, „alt” bin ich ja eigentlich noch nicht! Und „kluge Tipps” zu geben, finde ich auch vermessen, da jeder Mensch für sich seinen Weg finden muss. Vielleicht kann das der Rat sein: „Mach’ Dich auf die Suche!”
9. Haben Sie Erfahrungen mit Gott oder dem Übernatürlichen gemacht?
Ja. Und ich mache sie auch weiterhin. Sie beschreiben zu wollen hieße aber, das Unsagbare zu sagen. Da ich nicht sicher bin, ob mir das gelingt, lasse ich es lieber sein.
10. Was ist ihr Lebensmotto bzw. Lieblingszitat?
Ein einziges nicht, weil das Leben zu vielschichtig für ein einziges Motto ist – am ehesten wird dem noch „Solo Dios basta.” gerecht (Gott allein genügt. – Teresa von Ávila). Gut finde ich drei Zitate von persönlichen Glaubensvorbildern: „Menschen sind oft unberechenbar, unlogisch und selbstzentriert – vergib ihnen einfach.” (Mutter Theresa), „Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht.” (Edith Stein) und „Der Zauberschlüssel zum Tor der Weisheit ist nicht die Reflexion, sondern das Gebet.” (Peter Wust).
Vielen Dank!
Günther, cafe-inmeinerstrasse.de
Bild: Hedwigskathedrale, © Hans Georg Weimar, pixelio.de
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Toll, dass es noch Leute gibt, die mit ihrer Schreibweise so aufschlussreich zu vermitteln vermoegen. Es gibt in der Masse nicht wirklich viele Seiten die Aufmerksamkeit verdienen. Scheint hier doch erfreulicherweise endlich mal anders zu sein. Ihr hab…
Danke für den tollen Beitrag – ich fand ihn sehr inspirierend.