Beppo ging mit seiner Familie in der Stadt spazieren. Plötzlich merkten die anderen, dass Beppo nicht mehr da war. Sie riefen: “Beppo, wo bist du?” Dann sahen sie ihn. Andächtig stand Beppo vor einem Schaufenster eines Musikgeschäfts.
Als sie bei ihm waren, fragte seine Mutter: “Was schaust du denn an?” Doch Beppo bemerkte sie gar nicht, so intensiv schaute er sich diese wunderbare Geige an. Beppo hatte sich in die Geige verliebt.
Von diesem Tag an verging kaum ein Tag, an dem Beppo seine Eltern nicht um eine Geige bat. Doch seine Eltern wussten nicht so recht. Sie sagten Beppo, dass eine Geige und der Geigenunterricht zu teuer wären und ein Kind noch gar nicht genau wissen könne, ob es sich wirklich eine Geige wünscht. Schließlich hatte Beppo sich auch einmal ein Meerschweinchen gewünscht und sehr schnell wieder das Interesse verloren.
Seine Mutter sagte zu Beppo: “Das ist doch wie bei dem Meerschweinchen. Jetzt muss ich alles machen. Und kannst du dich erinnern, wie du um das Tierchen gebettelt hast.”
Doch Beppo träumte weiter, auch wenn er nicht mehr so oft mit seinen Eltern darüber sprach.
Eines morgens brachte sein Klassenkamerad Peter eine Geige mit in die Schule und zeigte sie der Lehrerin. Die Lehrerin war ganz begeistert und redete eine ganze Stunde lang über Geigen. Beppo war etwas neidisch. Er fand das gemein. Denn er hatte beobachtet, dass Peter sich gar nicht wirklich für die Geige interessierte. Achtlos hatte er die Geige nach der Stunde in seine Schultasche gestopft und war auf den Pausenhof Fußball spielen gegangen.
Beppo war traurig. Heute hatte er keine Lust beim Fußballspielen mitzumachen. Ständig drehten sich seine Gedanken um die Geige.
Plötzlich hatte er eine Idee. Er ging zu Peter und fragte ihn:
“Du Peter, kann ich die Geige mal ausleihen?” Peter sagte: “Na klar, wenn du magst, kannst du sie sogar mit nach Hause nehmen. Ich brauche sie gerade ja gar nicht.”
Wie wenn er einen Schatz in den Händen hätte, ging Beppo mit der Geige nach Hause und versuchte den ganzen Nachmittag der Geige Töne zu entlocken. Aber es war gar nicht so einfach. Doch Beppo gab nicht auf. Eine ganze Woche lang versuchte er es immer wieder.
An einem Nachmittag war ein Bekannter von Beppos Eltern zu Besuch. Dieser hatte früher etwas Geigenunterricht gehabt und er zeigte Beppo wie man “Alle meine Entchen” spielt. Verbissen übte Beppo, was der Bekannte ihm gezeigt hatte.
Irgendwann kriegte es Beppo hin, dieses Lied einigermaßen zu spielen. Für Beppo klang es bereits wie eine Symphonie von Beethoven. Für andere Zuhörer war es natürlich immer noch recht krächzend.
Beim Abendessen fragte Beppo seinen Vater: “Papa, ich könnte doch auf der Straße Musik machen und mit der Geige Geld verdienen. Wenn ich 100 Euro habe, gibst du mir dann den Rest für eine eigene Geige dazu? Bitte Papa!”
Beppos Vater glaubte nicht so richtig daran, dass Beppo überhaupt mit seinem Liedchen Geld verdienen könnte. Außerdem wollte er seine Ruhe habe. Deshalb sagte er abwehrend: “Würde ich schon machen, aber das geht doch gar nicht.”
Für Beppo klang diese halbherzige Antwort allerdings wie: “Jaaaaa. Ich werde es versuchen und Papa hat mir den Rest des Geldes versprochen, wenn ich es schaffe.”
Heimlich ging Beppo nachmittags in die Fußgängerzone und spielte immer wieder: Alle meine Entchen.
Vor sich stellte er eine Blechbüchse für das Geld.
Die älteren Omas und die jungen Mütter mit kleinen Kindern waren ganz begeistert und gerührt über Beppo. Es war ganz erstaunlich. Schon nach 10 Minuten war der Boden der Blechbüchse mit Geldstücken bedeckt. Beppo zählte nach. Er hatte schon fast 15 Euro bekommen.
Ermutigt spielte Beppo weiter und sein Schatzkästchen wurde langsam voll. Voller Stolz brachte er es nach Hause. Tatsächlich hatte er fast 100 Euro bekommen.
Beppos Vater sah erstaunt Beppos Mutter an: “Hat der Junge es doch tatsächlich geschafft. Ich glaube, jetzt sind wir dran. Wir kaufen Beppo eine eigene Geige.” Beppos Herz machte einen Luftsprung. Aufgeregt rief er dazwischen: ” Und Geigenunterricht brauche ich auch.”
Am nächsten Tag gingen sie alle drei in das Musikgeschäft, an dem sich Beppo die Nase plattgedrückt hatte. Dort wurde Beppos Traum endlich Wirklichkeit und er bekam seine erste eigene Geige. Und Beppo war sich sicher:
“Mit der Geige ist es nicht wie mit dem Meerschweinchen.”
Günther, Cafe-Inmeinerstrasse.de
Anregung: Sprechen Sie mit ihrem Kind über die Ziele, Träume und Wünsche Jakobs in 1. Mose 30,10ff:
Denn wenn die Brunstzeit kam, hob ich meine Augen auf und sah im Traum, und siehe, die Böcke, die auf die Herde sprangen, waren sprenklig, gefleckt und bunt. Und der Engel Gottes sprach zu mir im Traum: Jakob! Und ich antwortete: Hier bin ich. Er aber sprach: Hebe deine Augen auf und sieh! Alle Böcke, die auf die Herde springen, sind sprenklig, gefleckt und bunt
Geschichte: Günther, © Cafe-Inmeinerstrasse.de
Bild: Kunstzirkus; © pixelio.de
MTwseaM!
Bitte nicht anklicken - nur für Multiplikatoren.
Kommentare