Tief gebeugt sitzen sie da. Wie ein Häuflein Elend. Das Paar, das zur Beratung gekommen ist. Ihre Ehe steht am Abgrund. Eigentlich ist alles klar: Scheidung. „Wie konnte es nur dazu kommen?“, seufzt der Mann vor sich hin. „Es hat so gut angefangen, doch wir streiten uns nur noch. Jede Minute. Kein vernünftiges Wort haben wir seit Jahren gesprochen.“, fährt er fort. Die Frau hat Tränen in den Augen. „Wir sind Christen, und wir wollten uns nie scheiden lassen.“, sagt sie nun. „Ich weiß gar nicht, was passiert ist. Wenn ich zurück denke… So hätte es immer laufen sollen…“. Sie bricht fast schon zusammen. In mir kommt Hoffnung auf. Sie sehen zwar keinen Ausweg mehr, aber ich sehe was, was sie nicht wahrnehmen.
I. Seien Sie stets zugewandt
Paare, die heiraten wollen, und solche Paare, die noch eine gute Ehe haben, sollen sich angewöhnen stets dem anderen zugewandt zu bleiben. Wie sieht das praktisch aus? Angenommen der Mann ist auf dem Sprung zu einem Treffen mit seinen Freunden. Er soll beim Hausbau mithelfen. Lang ist es ausgemacht und geklärt. Seine Frau kommt gerade von der Arbeit und er sieht ihr an, dass der Tag heute wirklich schrecklich war. „Die Lise plustert sich auf als wäre sie die Chefin. Und meine Chefin unterstützt sie dabei noch.“, fängt sie an. Sie kann sich nicht halten. Statt jetzt zu sagen: „Schatz, ich habe keine Zeit, das weißt du doch.“, ist es besser zu sagen: „Schatz. Das war wohl wirklich ein schrecklicher Tag für dich heute. Ich habe jetzt gleich mein Treffen, aber ich will dich jetzt nicht einfach sitzen lassen. Bist du einverstanden, dass wir in Ruhe darüber reden, wenn ich zurück komme?“. Hier kommt die Botschaft rüber: Du bist mir wichtig.
II. Pflegen Sie Ihre Sprache
Darunter fällt auch der Bereich Ich-Botschaft, der meistens in Unternehmens-Coachings durchgeführt wird. Doch es gehört mehr zur Sprache. Meine Einstellung zu meinem Gegenüber. Kritik z.B. ist ein Killer: „So fährt man doch nicht Auto!“. Oder: „Lass mich die Wäsche aufhängen, das kannst du nicht!“. Eine Beschwerde z.B. klingt anders: „Mir ist nicht recht, wenn du so dicht auffährst. Da könnte schnell was passieren, und davor habe ich Angst.“ Oder eben: „Du, lass mich die Wäsche lieber alleine aufhängen. Lieb von Dir, aber ich habe da mein System drin, und den brauche ich.“ Und wie passend sind diese Worte: „Wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen, so sind treffende Worte im richtigen Augenblick.“ (Spr. 25,11; GNB)
Auch die Körpersprache spielt eine sehr wichtige Rolle: Augendrehen, bei einer Aussprache zur Seite schauen, tadelnswerte Mimik, u.a. Das ist nichts anderes als Verachtung. Vermeiden Sie auch den Sarkasmus. Egal in welcher Situation Sie stecken, und egal wie berechtigt Ihre Wut gerade ist. Denn Sarkasmus ist eine vernichtende Waffe. Mit ihm wird die Würde meines Gegenübers nicht zugestanden.
III. Fazit: Arbeiten Sie von Anfang an an sich
Das Paar in der Beratung war trotz der akuten Krise einander zugewandt. Sie erinnern sich noch an die guten Seiten des Partners. Ihnen fällt es nicht schwer von den guten Tagen zu erzählen. Und auch in der Sprache fällt auf, dass niemand verächtlich spricht. Mehr noch: Sie haben sich in der „Schuldfrage“ mit eingeschlossen.
Ehekrisen lassen sich tatsächlich in gewissem Maße vorbeugen. Doch daran müssen Sie arbeiten. Gleich von Anfang an. Gewöhnen Sie sich an ein paar Regeln, und ggf. auch an ein paar Rituale. Sie werden sich streiten. Doch sie werden fair streiten. Aber auch nur, wenn Sie an sich arbeiten und das trainieren!
Gastbeitrag im Cafe Inmeinerstrasse.de von Peter Varsek
Zur Person: Peter Varsek, führt Menschen (wieder) zusammen – beruflich und privat. Persönlich sieht er sich als Beziehungs-Trainer. Paare lernen bei Peter Varsek das praktische Handwerkszeug für ihre Beziehungen. Denn nur gute Beziehungen haben optimale Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. www.beratung-wendepunkt.de
Bild: pixelio.de, Model Release
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