Auf einer Indienreise hörte ich von Kumar, einem Pastoren, der erfolgreich ein großes Sozialwerk leitet, folgende Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte, der es an Dramatik nicht fehlt. Kumar – so will ich den Hauptakteur dieser Nicht-Berliner Liebesgeschichte nennen, hatte gerade seine Bibelschulausbildung hinter sich gebracht. Was er jetzt noch brauchte war aus seiner Sicht eine Ehefrau, um mit der Gemeindearbeit anfangen zu können.
Nach intensivem persönlichen Gebet kam ganz überraschend einer seiner Bibelschullehrer auf ihn zu und meinte, dass er eine gute junge Frau kenne. Ob er nicht Interesse hätte, sie kennen zu lernen.
Also eine vermittelte Liebesgeschichte. Kumars Bedenken waren groß. Schließlich wollte er nur jemanden heiraten, der Jesus von ganzem Herzen folgt. War die vorgeschlagene Frau überhaupt für einen herausforderden gemeindlichen Dienst geeignet?
Diese Bedenken waren schnell vergessen als die beiden sich das erste Mal begegneten. Deborah war nicht nur eine geistliche, sondern gleich noch eine hübsche Frau. Beide beteten gleich beim ersten Treffen miteinander und sie verliebten sich. Oder war es umgekehrt gewesen? Die Liebesgeschichte nahm ihren Lauf.
Die junge Frau musste schließlich ans andere Ende Indiens zu ihren Eltern, um sich für die Hochzeit vorzubereiten. Der junge, glaubensstarke aber leider bettelarme, angehende Pastor musste zur Hochzeit nachreisen. Doch seine Zugfahrt kostete die unvorstellbare Summe von 1000 Rupien (etwa 60 Rupien sind ein Euro, entspricht etwa einem halben Monatslohn). Schließlich brauchte er auch noch Geld für Geschenke und einen Anzug, um mit Würde zur Hochzeit erscheinen zu können. Doch er hatte nur 200 Rupien.
Kumar beschloß im Glauben auf Gott einfach ein Ticket für 200 Rupien zu lösen. “Gott wird mich unterwegs mit Geld versorgen, damit ich an mein Ziel komme. Wenn nicht, dann ist es doch nicht die richtige Frau”, sagte er zu sich selbst.
Als der Zug zu der Bahnstation kam, an dem sein Geld aufgebraucht war, stieg Kumar aus. Auf der Bahnsteigkante rief ein Mann nach ihm. Er erkannte einen alten Freund, den er länger nicht mehr gesehen hatte. “Kumar, Kumar, komm schnell hier her.” Kumar lief schnell in dem Gedränge zu seinem Freund und traute kaum seinen Ohren: “Kumar, Gott hat mir gesagt, ich soll dir all mein Geld geben. Leider sind es nur 600 Rupien. Weisst du warum Gott so etwas zu mir gesagt hat?” Und ob Kumar das konnte. In der Kürze, die sein Aufenthalt zuließ, erzählte er von seiner Liebesgeschichte.
Wieder im Zug dachte er an die restlichen finanziellen Herausforderungen. Sie kamen ihm immer noch nicht wesentlich leichter vor. Doch Kumar setzte seine Glauben wieder auf Gott. Auch diese zweite Etappe kostete ihn all seinen Glauben.
Vor lauter Beten hätte er es fast nicht bemerkt: Viele hundert Kilometer weiter kam ein anderer Mann in sein Zugabteil. Ein Bekannter aus der vorhergehenden Klasse seiner Bibelschule. Der Mann kam direkt auf Kumar zu und sagte: “Kumar, mein Freund, Gott muss dich wirklich lieb haben. Gott hat mir gesagt, ich soll dir einen ganzen Monatslohn schenken und dich hier im Zug suchen. Hier sind 1800 Rupien. Möge Gott dich segnen.”
Triumpierend dachte Kumar während der restlichen Zugfahrt über seine Liebesgeschichte und seine angehende Frau nach. Am Zielort angekommen kaufte er sich den bestmöglichen Anzug, der ihm schöner und edler vorkam als königliche Gewänder.
Kumar ist inzwischen verheiratet. Als ich ihn besuchte hatte er schon zwei nette Töchter und einen Sohn. Kumar leitet heute ein großes Sozialwerk in Indien. Zu diesem Glaubenswerk ist er übrigens auf ähnlich dramatische Weise gekommen wie zu seiner Frau.
Sendet mir eure Liebesgeschichte – auch wenn Sie nicht ganz so dramatisch war! – [info @ inmeinerstrasse . de]
Günther, Cafe-Inmeinerstrasse.de
Bild: Dieter Schütz, © pixelio.de
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