In dem Buch “Die geistlichen Ströme” von Madame Guyon habe ich ein schönes Zitat gefunden, wie man beten lernen kann. Zugeben ein sehr altes Zitat. Aber vielleicht muss jede Generation die “schönen Künste” des Lebens wie die Kunst der Liebe, des Gebetes oder des Verweilens in der Gegenwart Gottes, neu erlernen.
Madame Guyon , die von 1648 bis 1717 gelebt hat, geht davon aus, dass gerade die Unbegabtesten und Einfältigsten geeignet sind, Jesus im Gebet nahe zu kommen.
Sie schreibt, dass es mit dem Gebet so ist wie mit der Liebe. Die Liebe kann nach ihren Worten schlecht als Schulfach, mit vielen Regelanweisungen, gelehrt und erlernt werden. Liebe wird erfahren und erlebt. Keiner ist näher dran oder weiter weg davon.
Der wichtigste Hauptkurs in der Schule des Gebetes ist die erfahrene “Liebe”. Der Kursinhalt ist äußerst einfach und schwierig zugleich. Leicht, weil man sich dazu einfach nur fallen lassen muss. Schwierig deswegen, weil man es nicht “machen” kann. Schwierig, weil dabei eine Beziehung und ein Angewiesensein auf Gott entsteht. Herausfordernd auch, weil dabei vielleicht liebgewordene Gedanken aufgegeben werden müssen: Gedanken, die dem “Erleben der Erlebnisse” entgegenstehen:
Es sind vor allem unsere “Vernünftelein”, die nach biblischen Aussagen dem Erkennen Gottes entgegenstehen (siehe 2. Korinther 10, 5: “Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes”). Erkennen ist mehr als Rational-für-Wahr-halten. Als Jakob z.B. seine Frau erkannte, war das nicht nur ein Gedankliches-für-Gut-und-Interessant-halten, sondern sie kamen sich dabei wesentlich näher
Diese “Vernünftelein” sind Gedanken, gut gemischt mit verletztem Stolz, die wir gut gemeint, aus besten Vorsätzen als Schutzwall vor unseren Ängsten und Verletzungen aufgebaut haben, um uns zu schützen. – Doch meist sind ist diese Art von Schutz kontraproduktiv.
Das Heilmittel gegen diese Form von gedanklichen Schutzwällen, die uns hindern, frei und lebendig unser Leben zu leben, ist die Liebe Gottes. Die Bibel sagt, dass diese Liebe all unsere Furcht austreibt:
In der Liebe ist keine Furcht. Doch dies ist keine menschliche Liebe, keine Liebe, die Hollywoodvorstellungen gehorcht. Es eine Art von Liebe, die nur erfahren wird, wenn wir Gott wirklich begegnen. Liebe wird nach 1. Johannes 4,16 geglaubt und erkannt.
Diese Erkenntnis Gottes kommt aber nur durch Gebet. Dazu müssen wir lernen zu beten. Hier nun die Schule des Gebets nach Madame Guyon:
“Darum du Seelsorger: Wenn dich ein Mensch , der im Gebet unerfahren ist, bittet, ihn diese hohe Übung zu lehren, lehre ihn zu lieben! Lehre ihn, sich blindlings in die Arme der Liebe zu stürzen, und bald wird er Meister der allererhabensten Wissenschaft sein.” (aus “Die geistlichen Ströme” Madame Guyon)
Viel Spaß beim Sprung in diese Liebe! Der Weg des Gebetes ist also ein Weg, Liebe zu erfahren. Und damit ein Weg, seine Ängste zu verlieren. Ein Weg und keine Instantrezept.
Bild: RoughNeck, pixelio.de
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