Am Wochenende haben wir uns im Offenen Haus in Tegel wieder in aktive Gefahr begeben, vom Glück angesteckt zu werden. Und wie es oft so ist: Man konnte es nicht ahnen, dass es um die Ecke lauert, das Glück.
Alles fing damit an, dass wir uns an der Bushaltestelle in Tegel getroffen haben, um zum Weihnachtsmarkt in Frohnau zu fahren. Bettina (Name geändert) erzählte beiläufig, dass sie ihrem Mann ein kleines Büchlein zum Nikolaus geschenkt hätte: “Kleine Dinge, die glücklich machen.” Auf dem Weihnachtsmarkt stellte ich dann fest, dass mich da gleich mehrere Dinge glücklich machten:
- mit euch auf dem Weihnachtsmarkt zu sein
- die Hunde von Nici
- der Glühwein mit Mandeln und Rum (fast zu viel Glück, ein Becher tat fast schon sein Werk)
- zufällig alte Bekannte zu treffen, die wir schon lange nicht mehr gesehen hatten
Wie wir als gute Deutsche eben so sind, konnte ich dieses ungehemmte Glücksgefühl natürlich unmöglich theoretisch unfundiert lassen. Ja, es musste eine Grundlage bekommen und begründet werden. – Wieder zuhause angekommen, nach dem Kaffeekochen und nachdem noch ein paar Leute dazugekommen waren, holte ich das Buch von David Niven “Die 100 Geheimnisse glücklicher Menschen – Was Wissenschaftler herausgefunden haben und wie wir es nutzen können” aus dem Bücherregal.
Inzwischen waren wir schon beim Weihnachtssterne basteln. Zum Glück (Glück!!) hatte Heike diese Idee gehabt und dafür Papier, Schere und Kleber mitgebracht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten motorischer Art, fing es an, mir richtig Spass zu machen. Reihum las jeder beim Basteln eine kleine Geschichte aus dem Glücksbuch vor.
Simi suchte sich die Geschichte aus: “Sei dein eigener Fan.” (Steigerung um 30 Prozent des Glückempfindens gemäß dem Buch). Und auch folgende Geschichten wurden dann von anderen vorgelesen. “Bleib realistisch in deinen Erwartungen.” (bringt 40 Prozent), “Suche Gleichgesinnte.” (40 Prozent), “Sprich mit anderen über deine Schwierigkeiten.” (30 Prozent).
Diese kleine Lesereise ins Glück, half mir schließlich endlich auch zu verstehen, was es bedeutet überglücklich zu sein. In unserem Fall gleich 150-prozentig. Besonders schön fand ich es, dass uns die kleinen Geschichten anregten, mit viel Lachen natürlich, über das Thema zu reden. Es gab eine Menge zu bereden! Um das Gehörte auch gleich umzusetzen, wurde ich zum größten Fan meiner eigenen gebastelten Sterne und bat hin und wieder um Hilfe, wenn mal einer nicht so werden wollte. Langsam kamen immer mehr Sterne an unser Fenster.
Bald stellte sich die Frage, wo all die Sterne noch aufgehängt werden konnten. Schließlich kam die rettende Idee. Wir gründen die Aktion “Dekoriere für unsere Nachbarn”. Wir klingeln einfach bei Nachbarn und fragen, ob wir beim Dekorieren helfen sollen. “Hallo, wir sind das Deko-Team vom Offenen Haus Tegel, können wir ihnen helfen …” Vielleicht war es die vielen Vitamine von den Mandarinen von Sylvi, die unserer Phantasie solche Flügel verlieh. Als dann tatsächlich eine Nachbarin bei uns klingelte, um einen Weihnachtskalender vorbeizubringen, waren wir dann aber doch zu schüchtern zu fragen. Ach, man muss ja nicht immer ein Held sein.
Das Basteln war echt eine klasse Idee. Doch Basteln macht ja bekanntlich ziemlich hungrig. Das gemeinsame Werkeln für “Spaghetti Bolognese” brachte neue Einsichten. Simi schneidet die exaktesten Karottenschnitze, die ich kenne. Heike hat ein gutes Zeitgefühl, wann was in den Topf sollte, und kann gut schnippeln. Nici kann sehr lecker würzen. Ich muss beim Zwiebelschneiden weinen. – Ja und dann, wie soll ich es beschreiben, dann beim Essen wanderten die Glücksgefühle Richtung Bauch und ich fühlte mich einfach nur wohl.
Beim anschließenden Jule-Club war ich dann etwas aufgeregt. Mein erster Jule-Club in dieser Form. Innerlich bewegte mich die Frage, wie wohl mein geliebtes Buch “Wem an Weisheit mangelt” als Geschenk ankommen würde. Aber beim Würfeln wurde es unter viel Lachen immer weggetauscht. Vielleicht brauche ich beim nächsten Mal mehr Weiseheit
Der Renner waren wohl die kleine Kiste und die grünen Kerzenständer. Auch der kleine Froschprinz, der in einem Geschenk war, wurde gerne geküsst.
Ich durfte das Geschenk nach einer ausbleibenen 6er-Glückssträhne erst als letzter ziehen. Dafür bekam ich aber das beste Geschenk von allen: Eine Anbetungs-CD von Sharona. Durch detektivische Arbeit und das Auswerten der Zeitung, in die das Geschenk u. a. eingewickelt war, konnte ich die Spuren zu der Person zurückführen, die das Geschenk mitgebracht hatte. Jetzt wo ich darüber schreibe, frage ich mich, warum das Glück Strähnen hat. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich meiner Frau mal Strähnchen gemacht habe und die war gar nicht glücklich danach. Vielleicht kann mir das eine ehemalige Friseuse aus euer Mitte erklären.
Mich hat der Tag glücklich gemacht und wenn ich es richtig beobachtet habe, ging es uns allen so. Glücklich gemacht, weil …
- wir einfach zusammen gekommen sind
- wir Sterne gebastelt haben
- keiner etwas Besonderes darstellen musste, sondern einfach sein konnte, wie er ist
- wir zusammen gelacht und gelacht haben. – Ooups, ich merke gerade, mir ist ein Freudscher Verschreiber unterlaufen. Es soll natürlich heißen: gelacht und gegessen haben
Ach Glück kann wirklich ansteckend sein. – Aus diesem Grund freue ich mich schon auf nächsten Samstag, wenn wir zusammen Weihnachtsplätzchen ausstechen und zusammen backen. Es sind halt die kleinen Dinge, die einen wirklich glücklich machen.
P.S. Wer sich angesprochen fühlt, kann gerne zum “Deco-Team in Tegel” dazustossen. Und wir lassen uns auch gerne in ihre Wohnung einladen, um ein wenig gute Stimmung in ihre Wohnung zu “dekorieren”. – Vielleicht haben Sie ja auch eine spannende Idee, was wir noch zusammen unternehmen könnten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Nicht-Perfekten-Dinner?
Günther, www.inunsererstrasse.de
Mehr lesen: Was Sellerieschnitzel mit Vertrauen zu tun haben
Einen Teil der Bilder könnt ihr unter www.inunsererstrasse.de/photo finden.
(zeitlich irgendwie in der umgedrehten Reihenfolge)
Bild: Gerd Altmann, pixelio.de
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