1. Andreas, welches Erlebnis verbindet dich besonders mit Berlin? Was ist dein Lieblingsplatz in Berlin?
Als geborener Thüringer bin ich erst mit 19 Jahren nach Oranienburg gezogen und habe dann 14 Jahre als Rand(ost)berliner nur den Ostteil Berlins genossen. Dabei natürlich den Fernsehturm, den Alex, die Allee „Unter den Linden“ mit Anrainervierteln, aber auch viele Ecken in Pankow, Prenzlauer Berg usw. Und die Gegend an der Schönhauser Allee – da war damals unsere Gemeinde. Das herausragende Ereignis war natürlich der Mauerfall 1989. Und meine erste Fahrt mit dem Barkas (so eine Art Ost-VW-Bus…) über die Bornholmer Brücke – ein Traum, der nun in Erfüllung ging.
Wenn wir heute (wir wohnen seit 15 Jahren im südwestlichsten Zipfel der Republik) nach Berlin kommen, dann „machen“ wir meist zwei Tage als Touristen, um altbekannte Plätze stadtweit wiederzusehen oder Neues zu entdecken. Berlin ist ne klasse Stadt!
2. Hast du ein Lieblingsgericht und ein Lieblingsbuch?
Oh – Lieblingsgericht ist Thüringer Klöße mit Kaninchenbraten, das gab’s früher zu Hause. Unsere Mutter hatte ein Geheimrezept (und viel anstrengende Rührarbeit mit dem gekochten Brei in der Schüssel), bei dem die Klöße so zart und weich wurden, dass sie dann auf der Zunge fast von alleine zergingen. Und die Kaninchen waren natürlich selbst aufgezogen… Solche Klöße kann heute keiner mehr herstellen, aber eine sehr gute Ersatzlösung sind die Rindsrouladen meiner Frau, mit Rotkraut. Lecker.
Bücher lese ich viel und gerne. Die Lieblingsthemen wechselten im Laufe der Jahre. Bücher von Charles Swindoll finde ich gut, Bücher von Henri J.M. Nouwen (z.B. Ich hörte auf die Stille: Sieben Monate im Trappistenkloster) und momentan John Eldredge „Der ungezähmte Mann. Auf dem Weg zu einer neuen Männlichkeit”“ u.a.
Aber zunehmend begeistert mich (wieder) die Bibel – momentan entdecke ich, in welch verschiedener Weise sich Gott quer durch die Jahrtausende einzelnen Menschen zeigte, offenbarte und sie für bestimmte Aufgaben inspirierte. Das ist toll!
3. An welche Worte deiner Eltern erinnerst du dich am besten? – Wie waren deine Eltern?
Einzelne Aussprüche kann ich hier nicht wiedergeben. Aber die jeweiligen Lebensstile beider haben mich geprägt und begleiten mich bis heute.
Mein Vater war ein fleißiger Mann, der weder rauchte, noch trank, sondern für seine Frau und sechs Kinder sorgte. Außerdem war er ein „Naturbursche“ und sammelte in seiner Freizeit Heilkräuter. Als Kinder verbrachten wir viel unbeschwerte Zeit im Wald, beim (damals noch möglichen) wilden Zelten. Ansonsten war er ein verbindender und freundlicher Typ, der gerne lachte und andere zum Lachen brachte.
Mutter war sehr fleißig im Haushalt und Garten und achtete auf strenge Regeln. Aber sie hatte auch einen einfachen Glauben und betete viel, besonders, wenn es im Alltag brenzlig wurde. Zusammen gab es bei den beiden öfters Spannungen, aber im Lauf der Jahre wuchsen sie immer mehr zusammen. Ich bin dankbar für sie.
4. Was waren die wichtigsten Stationen in deinem Leben? Was waren konkrete, prägende Erlebnisse und Erfahrungen?
Sicher war meine (junge) Heirat die wichtigste Station. Danach jeweils die Geburt der fünf Kinder, mein Wehrdienst als Jungverheirateter, das Fernstudium neben Beruf, Familie und Gemeindetätigkeit. Dann der Mauerfall, als ein gewohntes System zusammenbrach und wir uns völlig neu orientieren mussten.
Und der Umzug aus Hohen Neuendorf bei Berlin nach Kandern in der letzten Ecke Deutschlands vor der Schweizer Grenze. Später das Flüggewerden der Kinder, deren Auszug und ihr Selbstständigwerden bis zur Hochzeit von zweien.
Prägende Erlebnisse waren die Erkrankung unseres damals 12-jährigen Sohnes Daniel an Knochenkrebs und die darauf folgenden Monate und Jahre der Operationen und Behandlungen. Das hat uns als Familie geformt und seither nicht losgelassen.
Und die berufliche Neuorientierung nach der Wende und das Fußfassen im „Westen“, was gesamthaft unseren Lebensstil neu prägte.
Und dann die jüngste Neuentwicklung – in die Rolle von Grosseltern zu schlüpfen – sehr aufregend, sage ich nur.
5. Gab es besondere Glücksmomente oder Schicksalsschläge in deinem Leben? Wie würdest du diese beschreiben? Was hat dir bei der Verarbeitung geholfen?
Glücksmomente waren und sind sehr oft Familienereignisse. An unsere Silberhochzeit erinnere ich mich sehr gern – im großen Kreis von Freunden und Verwandten auf intensive, aber auch erfüllte Jahre zurückzublicken.
Glücksmomente sind für mich auch Zeiten nach gehaltenen Predigten, wenn ich merke, dass Zuhörer die Botschaft verstanden und angefangen haben, darüber nachzudenken.
Weniger schön war der zu frühe Tod meines Vaters, die Krebserkrankung unseres Sohnes und auch immer wieder offene wirtschaftliche Fragen. Aber da half mir mein Glaube an einen allmächtigen Gott, der sowohl Verluste ersetzen als auch direkt finanziell eingreifen will – und das auch tat.
In dem Zusammenhang: Wir verloren einmal unser Auto bei einem Unfall auf vereister Strasse. Totalschaden. Drei Tage später bekam meine Frau Besuch aus der Gemeinde, die ihr einen Umschlag mit einer Riesensumme Geld daließ, die für einen neuen Wagen reichte – Mitchristen hatten spontan zusammengelegt. Da bleibt nur noch Rührung und Dank übrig…
6. Hast du einen Lebenstraum? Wo befindest du dich gerade bei der Erfüllung dieses Traums?
Ich würde gern ein weiteres Buch schreiben / herausbringen. Das erste war ein Tagebuch über die damalige Krankheitsgeschichte unseres Sohnes. Seitdem schreibe ich zwar öfters für diverse Plattformen, aber ich habe mir bisher nicht die Zeit genommen, ein neues Buchprojekt anzugehen. Wer spendet mir mal acht Wochen Freizeit?
7. Auf was bist du besonders stolz – beruflich und menschlich? Was würdest du heute anders machen?
Stolz ist für mich ein nicht so gutes Wort, hat etwas von Überheblichkeit und Eitelkeit an sich. Aber dankbar bin ich, dass ich nach meiner Werkzeugmacherlehre später noch ein Ingenieurstudium durchführen (und abschließen…) konnte. Dankbar bin ich im Nachhinein über unsere frühe Eheschließung, weil wir dadurch unseren Kindern dann später relativ junge Eltern sein konnten.
Und besonders dankbar bin ich für meine Frau, denn einen besseren Kameraden kann ich mir für mein Leben nicht vorstellen.
Was heute anders machen? Wahrscheinlich vieles. Ich würde mich – was meine beruflichen Inhalte angeht – heute intensiver und länger prüfen, was wirklich dran ist. Ich würde noch mehr Zeit mit den Kindern verbringen, wenn sie klein sind – da diese Zeit nie wiederkommt.
8. Welchen Rat würdest du einem jungen Menschen heute geben, der gerade ins Leben startet?
Nutze die vielen Möglichkeiten, eine gute Ausbildung (beruflich, sprachlich, künstlerisch) zu bekommen, denn diese begleitet dich durchs Leben. Höre nicht auf das, was „die Masse“ sagt, denn deren Meinung ist wankelmütig. Verbringe möglichst wenig Zeit mit Medien, die dich nur berieseln oder einlullen wollen.
Suche nach dem Sinn des Lebens für dich persönlich, öffne dich für geistliche Dimensionen.
Bleib unter allen Umständen ehrlich und integer. Nimm dir mehr Zeit für Mitmenschen als für Hobbys, denn Menschen sind wichtiger als Dinge!
9. Hast du Erfahrungen mit Gott oder dem Übernatürlichen gemacht?
Na klar! Sehr oft sichtbare Bewahrungen, Hilfe in Notsituationen, deutliche innere Ruhe und Frieden bei turbulenten Ereignissen oder Krankheiten. Begegnungen mit Gott in Stillezeiten. Prophetische Worte von reifen Christen.
Und sehr oft spricht Gott durch die Bibeltexte in mein Alltagsleben und offene Fragen.
10. Was ist dein Lebensmotto bzw. Lieblingszitat?
Na ja, das wechselt hin und wieder. Lange Zeit war Psalm 37 Vers 5 unser Familienmotto – sogar mal als Nummerschild beim Autokennzeichen:
„Befiehl (oder wälze auf) dem HERRN deinen Weg,
und vertraue auf IHN.
Und ER wird’s wohl machen!“
Diese Dreierteilung hat uns oft Mut gemacht: Dem Herrn alles zu sagen, was an Müll oder Problemen ansteht – dann ihm zu vertrauen, ihm zu glauben, dass er es hört und „bearbeitet“ – und zu seiner Zeit eingreifen wird (letzteres – Geduld zu haben – finde ich am schwierigsten).
Vielen Dank, Andy. Wir wünschen Ihnen, dass ein großzügiger Spender ihnen einfach mal acht Wochen oder mehr schenkt, damit Sie ihr Buch schreiben können. Wir sind schon auf das Buch gespannt.
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