Die Mutter von Beppo hatte vor Weihnachten entsetzlich viel zu tun. Der arme Beppo musste sich im Shopping-Center immer beeilen, um seiner Mutter hinterherzukommen. Dabei gab es so viel zu bestaunen. Die weihnachtlich geschmückten Schaufenster und die Lichter. Besonders zogen ihn natürlich die Spielzeuggeschäfte an. Was er wohl zu Weihnachten als Geschenk bekommen würde?
Ein Modellauto, Kleider zum Anziehen oder vielleicht doch ein Handy oder eine Spielkonsole, wie er es sich von seinen Eltern gewünscht hatte? Aber seine Eltern hatten dann gesagt, dass er mit acht Jahren noch kein Handy und keine eigene Spielkonsole brauchen würde. Schließlich könne er mit der Spielkonsole seines Bruders mitspielen. Das sah Beppo allerdings ganz anders.
Siedend heiß fiel es ihm jetzt ein. Er hatte ja noch kein Geschenk für seine Schwester. Seine Schwester würde sich bestimmt mit ihren 13 Jahren etwas zum Schminken wünschen. Würde sie sich über einen Lippenstift, eine besondere Creme oder über ein Parfüm freuen? Beppo war aufgefallen, dass seine Schwester in letzter Zeit morgens immer länger im Bad brauchte. Sie hatte jetzt ein ganzes Arsenal an Haarspray, Haargel, Deodorant, Pickelcreme und Schminksachen in ihrem Regal stehen.
Beppo überlegte. Er hatte ja noch 30 Euro in seinem Sparschwein. Vielleicht könnte ihm seine Mutter jetzt etwas Geld ausleihen, damit er seiner Schwester einen kleinen Schminkkoffer schenken könne. Plötzlich merkte er, wie seine Mutter ihn an der Hand zog und sagte: “Schnell Beppo, wir müssen noch Lebensmittel im Supermarkt einkaufen. Wir brauchen auch noch Hundefutter für unsere Piccola.”
Beppo kam kaum hinterher im Supermarkt. Aber er wollte doch seiner Schwester unbedingt etwas kaufen. “Mama, ich gehe mal in die Drogerieabteilung.”
Seine Mutter hörte ihn in der Eile gar nicht reden. Es war kurz vor Ladenschluß und sie musste noch so viel besorgen. Plötzlich war Beppo weg. Vielleicht wartet er am Eingang auf mich, dachte sich Beppos Mutter. Doch dort war er auch nicht. Wo war Beppo?
Beppo war inzwischen bei den Spielzeugregalen hängen geblieben. Er merkte gar nicht, wie der der Supermarkt geschlossen wurde. So interessant waren die neuen Gesellschaftsspiele, die Autos und die Skateboards. Erst nach einiger Zeit fiel ihm auf, dass das Licht etwas dämmriger geworden war.
Kein Mensch war mehr zu sehen. “Mama, Mama! Hallo! Ist da jemand” Beppo war alleine im Supermarkt. Angst wollte in ihm aufsteigen. Tapfer sagte er sich: Nein, ich bin schon ein großer Junge. Morgen kommt ja wieder jemand.” Doch was sollte er jetzt machen. “Am besten ich mache es genau so, wie es mir meine Eltern beigebracht haben. Dann muss ich keine Angst haben.”
Beppo dachte lange nach, was seine Eltern ihm wohl alles beigebracht hatten. “Hmm Zähneputzen, Abendbrot essen, mit Gott im Gebet den Tag besprechen und ihn um Hilfe bitten.” Das war es. Er würde erst einmal beten.
Beppo betete: “Lieber Jesus, mache dass ich keine Angst haben muss und ich wiedergefunden werde. Mach, dass Papa und Mama sich keine Sorgen machen. Beschütze mich. Amen.”
Nun war Beppo leichter ums Herz und ihm fiel auf, dass er einen Riesenhunger hatte. “Aber ich kann doch nichts klauen?” Plötzlich hatte Beppo eine Idee. Er ging zuerst in die Schreibwarenabteilung und nahm sich einen Stift und ein Schulheft. Dort wollte er alles aufschreiben, was er im Supermarkt benutzten würde. Als erstes schrieb er in das Heft: “Schdifd, Heft.”
Was würde er noch brauchen: Zahnpasta, Zahnbürste, Brötchen und Wurst für das Abendessen. Ach ja und einen Schminkkoffer für seine Schwester. Gewissenhaft schrieb er alles in sein Heft.
Nach dem Essen ging es ihm schon viel besser. Beppo spielte noch etwas mit einem Gameboy und schaute sich genau alle Handys und Fotokameras an. Was würde er seinem Vater schenken. Einen Fön oder einen Rasierapparat? Papas Rasierapparat war ja kaputt. Bei den Rasierapparaten merkte er aber schnell, dass diese mehr als 30 Euro kosten. “Hmm, dann vielleicht lieber eine schöne Kaffeetasse oder ein Päckchen Weihnachtstee?” Also schrieb er in sein Heft: teh, Tase. Für sich nahm er ein tolles Gesellschaftsspiel mit und schrieb es auf.
Langsam wurde Beppo müde. Er legt sich in ein Bett, auf dem Bettwäsche und Gardinen ausgestellt wurden. Schnell war er eingeschlafen und er schlief tief und fest. Er hatte ja gebetet und musste keine Angst haben.
Beppo träumte, dass eine Verkäuferin ihm eine Tasse Kakao unter die Nase hielt. Doch halt. Er träumte ja gar nicht. Es war schon hell und der nächste Morgen. Um ihn standen im Kreis Verkäuferinnen, die gerade mit der Arbeit begonnen hatten. Alle waren aufgeregt. Eine Frau hatte einen Kakao für Beppo besorgt. Eine andere die Polizei angerufen.
Schnell war die Mutter von Beppo im Kaufhaus. Sie drückte ihren Beppo erleichtert an sich. Die Nacht über hatte sie vor Sorgen nicht schlafen können und hatte die Polizei angerufen. “Ach Beppo, ich hatte so eine Angst um dich.” . “Aber warum denn Mama, hast du nicht gebetet, wie du es mir beigebracht hast. Ich hatte gar keine Angst.
Jetzt kam der Supermarktleiter. Beppo überreichte ihm feierlich das Heft mit seinen nächtlichen Besorgungen. Er hatte sogar die Preise aufgechrieben. “Hier, ich habe alles aufgeschrieben und ich kann alles mit meinen 30 Euro bezahlen”, sage Beppo zu dem Mann. Der Supermarktleiter musste lachen. Aber Beppo, das sind ja eher mehr als fünfzig Euro, was du hier alles aufgeschrieben hast. Aber weisst du was.?Wir schenken dir das ausnahmsweise zu Weihnachten. Wir sind ja auch froh, dass dir nichts passiert ist. Du warst so tapfer, dass du das verdient hast.
Beppo und seine Mutter gingen mit den Geschenken bepackt nach Hause. Dieses Mal in Ruhe und ohne ein Auge von Beppo zu lassen. – Was wir hier noch nicht verraten können ist, dass sich die Eltern von Beppo dazu durchrangen, ihrem Sohn ein Handy zu Weihnachten zu schenken. Damit er sie anrufen könne, falls er wieder einmal verloren ginge.
Günther, Cafe-Inmeinerstrasse.de
Bild: Victor Mildenberg, © pixelio.de
Geschichte: © Günther, Cafe-Inmeinerstrase.de
D.t.z.V.b!Nada
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