Nein, keine Band und keine Musik. Wir, also wir Menschen, jeder für sich, wir sind Helden. Oder wären gerne welche. Manchmal zumindest. Ein kleines bisschen wenigstens. Oder ? Und auch, wenn wir auf so manch biblische Figur schauen, sehen wir einen hellen Glanz: meine Güte, was für Helden ! Aber hat nicht auch der ein oder andere von diesen klein angefangen und das kennengelernt, was man so schön als “Mühsal” bezeichnet ?
1) Wollen wir nicht alle ein bisschen Helden sein
Fertige Helden scheinen oft so unerreichbar. Deshalb ist es einfacher, sie zu beobachten, wenn sie noch auf unserem Level sind. Beispielsweise König David, der König, unter dem das Nordreich Israel und das Südreich Juda vereinigt wurden. Er, der Große Macher, kennt recht gut, was es heißt, unten anzufangen. Von seinem in der Bibel beschriebenen Lebensweg kann ein wenig in unser Leben hineinragen, wenn wir darauf achten: einige Elemente finden wir auch bei uns wieder, in unserem ganz persönlichen Alltag.
Nachdem es vorher eine zeitlang scheinbar nur aufwärts für David geht, war der Zwischenfall mit König Saul der erste schwere Rückschlag für ihn. Doch wie wir sehen werden, kommt es genau in diesem Moment zu entscheidenden Durchbrüchen in seinem Leben. – Auch für Sie kann mitten in ihren Niederlagen, die sie vor Scham glutrot werden lassen, der Funke für Siege in ihrem Leben liegen.
Meist sieht man nur die äußeren Fakten und Ereignisse. Das spannende an dieser Niederlage Davids ist, dass wir neben den eigentlichen Ereignissen durch die Psalmgebete auch über den inneren Zustand Davids inmitten der Situation erfahren. Wenn wir das ganze gleichsam zusammen in Slow Motion ablaufen lassen, kann man folgendes schön beobachten:
1. Die Rolle unserer Gefühle und der eigenen inneren Haltung.
2. Was ist unser Beitrag in einer solchen Situation und wie greift Gott ein.
2) Perspektive eins: Die Handlungsschiene
Szene 1:
Davids Alltag: Routine wie bei jedem
Nichts deutet in Davids Leben auf etwas besonderes hin, das weit über sein bisheriges alltägliches Leben hinausgeht: Familienpflichten, seine gewohnte Umgebung mit den gewohnten Gesichtern und das Hüten der Herde. Aber auch der Alltag war schon herausfordernd genug, wenn man bedenkt, dass neben allen kleinen Schwierigkeiten in der Familie die Herde auch noch gegen wilde Tiere zu verteidigen war.
Völlig unerwartet taucht mitten im Alltag plötzlich Samuel auf, ein anerkannter Diener Gottes. Er sagt David voraus, dass er eines Tages König werden wird. Die Mischung in David aus Begeisterung und Verwunderung ist gut vorstellbar.
Szene 2:
Vitamin B am Königshaus Sauls
Und wirklich im Folgenden ändert sich die Richtung seines Lebens und einiges deutet darauf hin, dass es zumindest in Richtung dieses „Königreich“-Traums geht: David besiegt bekanntlich mit großem Mut Goliath und findet in der Folge Eingang ins Königshaus Sauls. Es entwickelt sich sogar eine tiefe Freundschaft zu Jonathan, dem Sohn des Königs. Heute würde man sagen, dass er zu diesem Zeitpunkt über gutes Vitamin B verfügt.
Szene 3
Davids schöne neue Welt bricht zusammen
Doch wie tragfähig dieses Vitamin B ist, zeigt sich recht schnell. Saul wird aufgrund eigener Unzulänglichkeitsgefühle eifersüchtig gegen diesen Neuling David und nutzt seine Kompetenzen kaltblütig aus und gibt den Befehl David zu töten. Doch Jonathan kann David warnen.
Szene 4
Versteckt in einer Höhle als Anführer einer zweifelhaften Gesellschaft
David muss in eine ungewisse Zukunft fliehen und alles hinter sich lassen, was sich seither so positiv in seinem Leben entwickelt hat. Doch ein Unglück kommt selten alleine. Auf der Flucht gerät David in weitere Gefahren, aus denen er nur um ein Haar entkommt. Schließlich flieht er in die Höhle Adullam. Nach und nach versammelt sich dort eine illustere Gesellschaf um David. – Originalton der Bibel: Und es sammelten sich um ihn lauter Bedrängte, und solche, die verschuldet waren und andere mit erbittertem Gemüt. Und er wurde ihr Anführer. (1. Samuel 22 Vers 2)
3) Zwischenbemerkung
Soweit erinnert dies in vielem an unser eigenes Leben. Trotz unseres alltäglichen Lebens haben auch wir unsere kleinen „Königsreichs“-Träume und jeder hat ein paar Siege und Highlights erlebt, auf die wir besonders stolz sind. Auch dies kommt uns bekannt vor: Nach anfänglichen Erfolgen stagnieren wir. Es gelingt uns nicht weiterzukommen. Eifersucht und Machtstrukturen auf unserer Arbeitsstelle und verkrustete Routinen in unseren Beziehungen und ähnliche Dinge bremsen uns aus. Irgendwann legen wir uns entweder kleinere Träume zu (obwohl die anderen keineswegs wirklich groß waren wie etwa eine nette Familie oder eine befriedigende Arbeit zu haben) oder wir nagen heimlich an Verbitterung und Resignation gegen diese großen und kleinen Ungerechtigkeiten. Und das schlimmste ist, dass wir uns redlich Mühe gegeben haben, es anderen Recht zu machen und auch bereit waren, uns für andere einzusetzen. Doch der Dank ist in den seltensten Fällen zu uns zurückgekommen.
4) Perspektive zwei: Innenverfassung Davids
Slow Motion 1: David drückt seine Gefühle ohne etwas Zurückzuhalten aus – gegenüber Gott und seinem Freund Jonathan
Die neue Erfahrung war für David ungewohnt. Gegen den höhnenden Goliath konnte er sich durchsetzen, aber gegen Saul hat er kein Gegenmittel. David muss alles aufgeben, was ihm etwas bedeutet und er ist sich dessen bewusst. Deshalb verwundert auch seine Reaktion nicht. David weint hemmungslos vor Jonathan:
David und Jonathan weinten miteinander, David am meisten. ( 1. Samuel 20 Vers 41 )
Wut über die Ungerechtigkeit, Ohnmachtgefühle, Trauer über den Verlust und Angst vor der Zukunft mischen sich in seinen Tränen. Wir lesen in seinem Reden mit Gott in Psalm 56 und 57:
Meine Feinde stellen mir den ganzen Tag nach, ja, viele bekämpfen mich von oben herab.
(Psalm 56 Vers 3) – Ohnmacht
An dem Tag, da ich mich fürchte ..
(Psalm 56 Vers 4) – Furcht
Im Zorn stürze die Völker nieder, o Gott!
(Psalm 56 Vers
- Wut
Meine Heimatlosigkeit hast du abgemessen.
Gieße meine Tränen in deinen Schlauch!
(Psalm 56 Vers 9) - Trauer und Ungewissheit
Slow Motion 2: David setzt die Wahrheit Gottes gegen die reale Situation und seine eigenen Gefühle.
David bleibt nicht beim Ausdrücken seiner Gefühle stehen. Er hält Gottes Charakter und Möglichkeiten dagegen. Sein Wissen über Gott bezieht er ausdrücklich aus Gottes Wort und nicht aus seinen aktuellen Erlebnissen:
Auf Gott – sein Wort rühme ich – auf den HERRN (Psalm 56 Vers 11) – Gottes Wort ist voll Wahrheit und Integrität:
Wie wir oben bereits gesehen haben entsprechen die von David ausgesprochenen Wahrheiten zu Beginn des Gebets erkennbar nicht der gefühlsmäßigen Innenverfassung Davids.
David spricht aus, was der Charakter Gott ist und was dies in der Situation bedeutet:
– Gott ist ein Beschützer: Im Schatten deiner Flügel berge ich mich, bis vorübergezogen das Verderben. (Psalm 57 Vers 2)
– Gott ist herrlich und groß: Erhebe dich über die Himmel, o Gott, über der ganzen Erde sei deine Herrlichkeit! (Psalm 57 Vers 6)
– Gott ist besorgt über David und im Detail informiert: Meine Heimatlosigkeit hast du abgemessen. (Psalm 56 Vers 9)
Davids bekennt: Wer ist Gott für mich?
– Gott ist vertrauenswürdig: Auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten; was kann ein Mensch mir tun? (Psalm 56 Vers 5)
– Gott ist voll Loyalität: … dieses habe ich erkannt, dass Gott für mich ist. (Psalm 56 Vers 10)
Jetzt zählt alleine das Vitamin G(ott). – David spricht die Wahrheit über Gott und über seine Beziehung zu ihm als Bekenntnis aus.
Slow Motion 3: David setzt auf die Gnade Gottes und auf Gottes Möglichkeiten
Aus dem Erkennen, wer Gott für ihn ist, geht David einen Schritt weiter. David setzt völlig auf die Gnade Gottes. Er beruft sich nicht auf eigene religiöse oder sonstige Verdienste.
David betet: Gott sende seine Gnade und seine Wahrheit.
(Psalm 57 Vers 4)
Gnade zu bekommen bedeutet ein unverdientes Geschenk zu bekommen. Gnädig zu sein sagt vor allem etwas über den Charakter des Gebers aus. David erkennt, dass Gott selbst Gnade ist. – Gnade empfangen zu wollen, drückt auf der anderen Seite aus, dass man alle Handlungsstrategien vertrauensvoll abgibt und auf das Wohlgesonnensein des Gegenübers hofft.
Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig! Denn bei dir birgt sich meine Seele.
(Psalm 57 Vers 2)
David gesteht Gott ein, dass seine eigenen Mittel nicht ausreichen und er tatsächlich das Eingreifen Gottes benötigt.
Ich rufe zu Gott, dem Höchsten, zu dem Gott, der es für mich vollendet.
(Psalm 57 Vers 3)
Slow Motion 4. David schaut von der Situation weg und beschäftigt sich nur noch mit dem Charakter Gottes.
Nach diesen drei Schritten ändert sich etwas in Davids emotionalen Erleben. Fast unvermittelt wechselt mitten im Psalm 57 die Stimmung. David fühlt nun, dass sein Herz gefestigt ist und gibt seiner Seele den Befehl, sich im Lobpreis mit Gottes rühmenswerten Eigenschaften zu beschäftigen:
Gefestigt ist mein Herz, o Gott, gefestigt ist mein Herz! Ich will singen und spielen. 9 Wache auf, meine Seele! Wachet auf, Harfe und Zither! Ich will aufwecken die Morgenröte. 10 Ich will dich preisen unter den Völkern, Herr, will dich besingen unter den Völkerschaften. (Psalm 57 Vers 8-10))
5) Wirken Gottes
Aus verbitterten Menschen werden Edle
Interessanterweise legt Gott genau in dem Moment des Eingeständnisses, dass David nichts aus eigenem Vermögen zur Lösung beitragen kann und auf die Gnade Gottes angewiesen ist, den Grundstein für das spätere Königtum Davids. Nichts lässt in dieser Situation darauf schließen, dass die etwa 400 Männer zweifelhaften Charakters, die sich um David versammeln, später die Helden und Edlen sein werden, auf die David seine Herrschaft stützen kann. Dass sich die Männer um David scharten war sicherlich ein Umstand, den David in seiner Isolation in seinem Höhlenversteck nicht beeinflussen konnte. Was er beeinflussen konnte, war ausschließlich seine innere Haltung, Gottes Realität vor die sichtbare Realität zu setzen. Diese innere Haltung Davids hat so großen Einfluss auf diese Männer, dass aus bedrängten, verbitterten, sich um Schuld kreisenden Menschen, Persönlichkeiten entwickeln, die später staatstragend Verantwortung übernehmen können.
Gott gibt das große Ziel und den nächsten Schritt
Das große Ziel kannte David bereits durch die Weissagung Samuels: David sollte König werden. In der Höhle sendet Gott ein weiteres Mal einen Propheten namens Gad zu David. Seine Worte, die er übermittelt, sind schlicht. David soll den Unterschlupf verlassen und nach Juda gehen.
6) Von Siegern zu lernen bedeutet selbst siegen zu lernen
David befolgte diese Anweisung. Dies bedeutete jedoch nicht, dass danach alles sofort glatt läuft. Nach der Begebenheit in der Höhle und dem Reden Gottes durch Gad berichtet die Bibel noch über zehn große Herausforderungen, die David zu bestehen hat, bevor er als König eingesetzt wird.
Was wir von David lernen können, um ebenfalls siegreich in unserem Leben zu werden.
- Jedem Sieg geht eine Herausforderung voraus.
- Bis zum Gesamtsieg gibt es in der Regel eine große Anzahl an Herausforderungen.
- Wir müssen das Gesamtziel vor Augen haben und gehorsam sein, wenn Gott den nächsten kleinen Schritt zeigt.
- Wir können unsere Gefühle vor Freunden und vor Gott frei ausdrücken.
- Wir relativieren all diese Gefühle, wie etwa Ohnmachts- oder Ungerechtigkeitsgefühle, durch das Aussprechen der Größe Gottes und seiner Wahrheiten über uns.
- Wir machen uns von der Gnade Gottes abhängig und beharren nicht auf unsere vermeintlichen Problemlösungsfähigkeiten, da wir vielfach gar nicht wissen, was das Detail ist, das uns entscheidend auf dem Weg zu unserem großen Ziel voranbringt.
Die Geschichte Davids im Höhlenversteck hätte übrigens auch anders ausgehen können, wenn Davids Männer ihn mehr beeinflusst hätten als umgekehrt. Verbitterung und Schuldgefühle hätten das Erreichen des Gesamtziels wirksam verhindern können.
Zwei Aussagen aus dem Wort Gottes fassen das Vorgehen David und die Anatomie seines Sieges schön zusammen:
Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in dessen Herz gebahnte Wege sind! 7 Sie gehen durch das Tränental und machen es zu einem Quellort.
Psalm 84, Verse 6 und 7
Vertraue auf den HERRN mit deinem ganzen Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand! 6 Auf all deinen Wegen erkenne nur ihn, dann ebnet er selbst deine Pfade!
Sprüche 3, Verse 5 und 6
Viel Erfolg bei Ihren nächsten Herausforderungen! Und nicht vergessen; wenn der Weg geebnet ist, dann müssen Sie wie David die notwendigen Schritte natürlich in der Stärke , die sie aus ihrer Beziehung zu Gott ziehen, auch eigenverantwortlich gehen.
Bild: www.pixelio.de
Bitte nicht anklicken - nur für Multiplikatoren.
Kommentare