Mitleid heißt die Teilnahme am Unglück anderer und die hieraus entspringende Bereitwilligkeit, den Leidenden zu helfen. So eine Definition dieser weithin anerkannten Form der Hinwendung an Menschen, die sich leider selbst nicht helfen wollen. - Eine leicht ironische Betrachtung des Themas Selbst- und Fremdmitleid -
Doch wieso sollten wir dieses schöne Erlebnisangebot einfach so an andere weitergeben. Viel nutzbringender können wir doch diese Teilnahme und Hilfe uns selbst zukommen lassen. Jeder ist sich bekanntlich selbst der Nächste. Somit sind wir auf die eingangs erwähnte Form von Fremdmitleid nicht mehr angewiesen.
Im Folgenden deshalb eine Praxisanleitung, um die Vorzüge des Selbst-Mitleids wirkungsvoll und nachhaltig in unser eigenes Leben zu integrieren. Selbst-Mitleid hat das leider oft verkannte positive Potential, uns ein komplettes Weltbild zu geben, es kann als Waffe eingesetzt werden, entlastet bei Konflikten und bietet einen sicheren Rückzugsort vor den Schwierigkeiten des Alltags.
Sich selbst eine Perspektive schaffen und endlich eine Glaubensgewissheit aufbauen
Viele Menschen leiden heutzutage unter einer Perspektivlosigkeit und das Leben ist mit seinen vielen Anforderungen ungewiss und unsicher. Dazu kommen auch oft noch Menschen, die nicht wollen, dass wir unseren gerechten Anteil am Leben bekommen.
Kontinuierlich auf sich selbst fokussiertes Mitleid ermöglicht es Ihnen, zu wissen, was heute, morgen und in Zukunft auf Sie zukommt. Viele Werbebotschaften arbeiten mit Hoffnungssuggestionen, alles würde immer besser werden. Umso größer die Enttäuschung später in der Realität. Selbst-Mitleid kommt nicht mit derart groben Wirklichkeitsvoraussagen, sondern bietet die differenzierte Gewissheit, dass selbst in größter Hoffnungslosigkeit, sich immer jemand um sie kümmern wird.
Konzentrieren Sie sich auf die Fakten, um Gefühlsschwankungen zu vermeiden. Erkennen Sie an, dass sie schon oft oder eigentlich schon immer das Opfer schwieriger Verhältnisse waren und da meist auch nichts zu ändern ist. Akzeptieren Sie, dass Trauergefühle aufgrund dieser Fakten mehr als natürlich sind.
So werden sie lästige Gefühlsschwankungen vermeiden und sind so schon durch die Erwartungssicherheit gegen die regelmäßig auftauchenden Ärgernisse effektiv gewappnet. Wer nicht mehr auf schwankende Hoffnungen setzen muss, der kann sie auch nicht mehr verlieren.
Praxistipp 1: Stellen sie W-Fragen an der richtigen Stelle!
Warum immer ich? Wieso muss das immer mir passieren? Warum kann mein Partner nicht einmal Rücksicht nehmen? – Offen gestellte Fragen verhindern vorschnelle Antworten.
Mit W-Fragen geben sie sich selbst die Gelegenheit, ausgewogen über die Sachverhalte sinnieren zu können. Nehmen Sie sich Zeit dafür und gehen Sie den Dingen auf den Grund. Erforschen Sie die Wurzeln.
Denken Sie daran, dass Antworten auf die Frage „Wie konnte das passieren?“ oft weit vor dem auslösenden Ereignis zu suchen sind.
Praxistipp 2: Bauen Sie Vernachlässigungsgefühle systematisch aus!
Mit der bereits dargestellten Fragetechnik können Sie diesen wichtigen Sonderfall analysieren und gezielt verstärken.
Nutzen Sie neben den Fragen „Wo“, „Wann“ und „Wer“ auch das Analysetool „Mehr“ und „Hätten“: “Wo” und “Wann” „Hätte“ man mir „Mehr“ Aufmerksamkeit und Beachtung zukommen lassen müssen? “Wer” ist daran schuld? – Was hätte mit ein bisschen mehr Aufmerksamkeit alles geschehen können?
Denken Sie nun immer wieder über all die schönen Dinge nach, die Sie hätten haben oder erreichen können. Mit etwas Übung nehmen Sie die Ungerechtigkeit, die in der Vernachlässigung steckt, verstärkt wahr.
Praxistipp 3: Ziehen Sie sich von solchen Menschen und Tätigkeitsumfeldern zurück!
Um diesen Effekt nachhaltig zu sichern, meiden Sie derart ihr Lebensglück zerstörende Menschen und Situationen. Was hätte nicht alles aus ihnen werden können, wenn diese Menschen Sie mehr beachtet hätten?
Falls Sie diesen Menschen doch immer wieder begegnen müssen, spiegeln Sie einfach diese Vernachlässigungsgefühle zurück, damit die Verursacher es auch am eigenen Leib erfahren.
Passivität schützt Sie in Situationen, in denen Sie potentiell vernachlässigt und falsch beurteilt werden könnten, vor negativem Stress und überzogener Verantwortungsbereitschaft.
Praxistipp 4: Weichen Sie nicht von den aufgedeckten Wahrheiten und Erkenntnissen ab!
Anfänger im Selbst-Bemitleiden lassen sich oft vorschnell von sporadischen Einzelaktionen von generell nicht freundlich gesinnten Personen verwirren: Ein hingeworfenes Dankeschön, eine nicht einordenbare Hilfeleistung oder ein freundliches Wort.
Schauen Sie immer auf den Gesamtzusammenhang. Berücksichtigen Sie auch die schiefen Blicke sowie die Zeiten, in denen Sie alles alleine machen mussten und niemand auch nur an ein „Danke“ gedacht hat.
Denken Sie darüber nach, wo diese Personen denn waren als man Sie wirklich gebraucht hätte.
Praxistipp 5: Achten Sie streng auf das Verhältnis zwischen Geben und Nehmen!
Oft überbewertet man die Qualität und Anzahl von Dingen, die einem andere gegeben haben, weil die Freude in diesen Momenten zu sehr im Vordergrund steht.
Machen Sie sich die Mühe objektiv zu sehen, was Sie im Vorfeld für diese Gegenleistung selbst getan haben und wie oft andere mehr von ihnen profitieren als umgekehrt.
Praxistipp 6: Erinnern Sie sich regelmäßig an geplatzte Lebensträume!
Dies bewahrt Sie davor, sich erneut auf neue Illusionen einzulassen. Erkennen Sie diese Realität an, um sich neue Verletzungen ihres Selbstbewusstseins zu ersparen. So können Sie aus Fehlern lernen.
Analysieren Sie aus diesem Grund auch ausführlich die dabei von ihnen gemachten Fehler und wer und was Sie damals behindert hat.
Praxistipp 7: Vermeiden Sie Selbstkritik und setzen Sie Selbst-Mitleid als Waffe ein“
Selbstkritik in aktuellen Ereignissen sollten Sie allerdings unterlassen. Es untergräbt die Fähigkeit, die Schuldanteile von anderen Beteiligten zu erkennen.
Diese wiederum durch die richtige Fragetechnik gewonnene Erkenntnis über die Schuld des anderen ermöglicht es Ihnen in der Folge, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und Selbst-Mitleid als Waffe einzusetzen: Sich zurückziehen, eisern schweigen, beleidigte Blicke senden und dosierte Andeutungen über die erlittenen Verluste und Verletzungen machen.
Praxistipp 8: Unterscheiden Sie dabei zwischen Selbstgerechtigkeit und Fremdgerechtigkeit und halten sie ihr Selbstbewusstsein sauber.
In wessen Auge der Splitter und in welchem Auge der Balken sitzt, ist eine Diskussion, bei der es nie einen Sieger gibt. Doch Siege sind für unser Selbstbewusstsein wichtig. Ein einfaches Mittel, um diese Diskussion abzukürzen, ist dem anderen einfach auch noch der eigenen schlechten Motive und Absichten zu bezichtigen.
Dies hilft ein schlechtes Selbstbild zu vermeiden und dient der seelischen Hygiene. Verbünden Sie sich dabei mit Menschen, die sie in ihren Ansichten unterstützen.
Prüfen Sie, ob das Gründen eines Selbst-Mitleids-Zirkels für sie sinnvoll ist.
Praxistipp 9: Wenden Sie die wichtigsten Formeln für das Selbst-Mitleids-Management regelmäßig an.
„Alles hat sich gegen mich verschworen.“
„Das kann kein Zufall sein.“
„Was habe ich nur getan, um das zu verdienen.“
„Warum mag mich keiner.“
„Warum sieht keiner meine wertvollen Gedanken.“
Praxistipp 10: Setzen Sie das „Ungeliebtsein“ als wirksamen Schutz gegen Maßnahmen ein, ihr Selbstbewusstsein zu unterminieren!
Immer wieder wird versucht werden, Ihnen Ihr wertvolles Selbst-Bemitleiden als angebliches Problem wegzunehmen. Als wirksamstes Gegenmittel hat sich in der Praxis das „Sowieso-Ungeliebtsein“ erwiesen.
Setzen Sie diese Feststellung so häufig als möglich innerlich ein. Bewahren Sie diesen Erfolgstipp in ihrem Herzen und verraten Sie diesen Tipp nicht anderen Menschen, indem Sie es laut aussprechen und so preisgeben.
Günther, Cafe Inmeinerstrasse
Bei weiteren Fragen zum Selbst-Mitleids-Management wenden sie sich bitte an unsere Berater: info@inmeinerstrasse.de
Bild: © pixelio.de Fotograf: Christof Aron
3 und 7 sind gute Stützen!