Eine Schraube mit einem geraden Schlitz mithilfe eines Kreuzschlitzschraubenziehers herausdrehen ? Wer es schon einmal versucht hat, kennt das Ergebnis. Es funktioniert nicht. Obwohl es doch ein Schraubenzieher ist.
So ist auch Glaube etwas, was verdrehte Situationen wieder in Ordnung bringen kann. Doch Glaube ist nicht gleich Glaube. Viele verwechseln Glauben mit dem Wort Vertrauen und Hoffnung. Zugegebenermaßen ist beides nicht leicht zu trennen.
1) Glauben: setzt etwas als verwirklicht veraus, auch wenn dies in der Realtität noch nicht der Fall ist (Definition Glaube nach Hebräer 11,1)
Vorteil von Glauben: Gibt die Kraft die aktuelle Realität zu relativieren, weil das Ergebnis im Innenzeugnis schon feststeht.
Beispiel: Du schaust dir ein aufgezeichnetes Fussballspiel an. Du weisst deine Mannschaft hat gewonnen. Beim Anschauen gibt es viele brenzelige Situationen. Aber da du schon das Ergebnis kennst, wirst du die Situationen im Licht des feststehenden Ergebnisses beurteilen.
Nachteil von Glauben: Wenn du die Realität zu lange verleugnen musst, wird dies Spannungen in dir erzeugen. Im Extremfall kann dich eine solche Glaubenskraft komplett aus der Realtität herausreissen und dich in eine Scheinwelt hineinversetzen.
An was glaubst du. - Kritische Fragen, die du dir stellen kannst:
a) Ist deine Einstellung: Gott stärkt meine Fähigkeiten, um das Ziel zu erreichen?
b) Ist deine Einstellung: Ich kann nichts dazu tun? – Die Hilfe kommt nur über andere?
c) Ist das Wunder so übernatürlich, dass es keinen natürlichen Anmarschweg gibt? Vollzieht es sich instantmäßig?
d) Ist mein Glaube etwas, mit dem ich versuche, meine eigene Verantwortung entweder an Gott oder auf andere Menschen abzuwälzen?
2) Hoffnung: Hoffnung ist zukunftsbezogen. Das Ergebnis ist offen, doch die Hoffnung motiviert dich so stark, dass du weiter deinen Weg gehen kannst.
Beispiel: Dein Notendurchschnitt in der Schule ist ein Viertel Jahr vor dem Zeugnis bei 4,1 . Mit 4 würdest du das Klassenziel erreichen. Nachdem du einmal richtig gelernt hast, schaffst du prompt eine 3- in Mathe. Jetzt bist du voller Hoffnung, dass wenn du so weiterlernst, das Klassenziel erreichbar ist.
Vorteil: Hoffnung erzeugt Motivation und Antrieb. Durch Hoffnung geben wir nicht auf und wollen weitermachen.
Nachteil: In Sprüche steht, dass hingezogene Hoffnung das Herz krank macht. Wenn das Ergebnis nicht in absehbarer Zeit greifbar ist, dann geht der Antrieb ins Leere. Die Kraft, die wir für die Hoffnung benötigen, fängt an uns nun die Energie zu rauben, neue Entscheidungen zu treffen. Die Motivation fängt an sich gegen einen selbst zu richten. Letzlich führt dies in eine passive Grundhaltung und in Untätigkeit.
Was hoffst du. - Kritische Fragen, die du dir stellen kannst:
a) Ruht meine Hoffnung auf realistischen Annahmen?
b) Verbaut mir meine Hoffnung neue notwendige Entscheidungen?
c) Hoffe ich nur oder handele ich auch entsprechend meiner Hoffnung?
d) Erzeugt die Hoffnung in mir bereits Bitterkeitsgefühle?
3) Vertrauen: Vertrauen setzt eine Beziehung voraus. Zu sich selbst, zu Gott oder zu anderen Menschen.
Vorteil: Bei Personen, denen wir vertrauen, fällt es uns dann anschließend besonders leicht, ihren Aussagen zu glauben und uns von ihnen motivieren zu lassen.
Nachteil: Vertrauen ist in erster Linie eine Beziehung. Nichts muss daraus resultieren. Im Extremfall kann man sich so mit einer Person den ganzen Tag lang unterhalten und nichts tun. Das gleiche gilt auch für das Gebet. Wir können den ganzen Tag mit Gott reden, ohne unserem Glauben Taten folgen zu lassen. Und bekanntlich ist der Glaube nach Jakobus ohne Taten tot und zu nichts nütze.
Wie vertraust du. - Kritische Fragen, die du dir stellen kannst:
a) Vertraue ich der Person wirklich oder mache ich mich von ihr abhängig?
b) Ist die Vertrauensbeziehung symbiotisch ( ein Kuckucksei im Nest eines anderen)
c) Gebe ich durch das Vertrauen meine Eigenverantwortung auf?
Fazit: Nur das angemessene Instrument – zur richtigen Zeit – innerhalb einer bestimmten Zeitspanne führt zum richtigen Resultat. Oft ist ist es auch eine Abfolge von unterschiedlichen Instrumenten.
Glaube sollte immer auf einem aktuellen Wort Gottes an dich persönlich beruhen. Wenn die inneren Spannungen zu groß sind, dann ist es nicht unehrenhaft, zu sagen: Ich akzeptiere die Realtität so wie sie ist. Vielleicht helfen mir andere Wege, um mein Ziel zu erreichen.
Um meiner seelischen Hygiene willen gebe ich mein Glaubensziel eventuell sogar lieber ganz auf. Denn, was nützt es mir, wenn ich die Welt gewinne, aber meine Seele verliere.
Für manche kann es wichtig sein, zu akzeptieren, dass Wunder auch über einen längerwährenden Prozess geschehen können. Der Vorteil ist, dass sich in einer solchen Zeitspanne die Gedanken langsam mitverändern. – Auch mit einem Teelöffel können Berge versetzt werden.
Das beste kann es tatsächlich sein, den “Glauben einfach beiseite zu legen” und zu den Grundlagen der Beziehung zu Gott zurückzugehen. Nichts ist verloren. Man kann ja später mit dem Glaubensziel weitermachen. Die Grundlage der Beziehung zu Gott ist Vertrauen in seine Person. Deshalb kann es gesünder sein, den Charakter Gottes zu studieren, als sich unentwegt in die Spannung zwischen vorweggenommenen Ergebnissen und der wahrgenommenen Realität zu stellen.
Die Verwechslung zwischen Hoffnung und Glauben ist gefährlich. Antrieb und Gewissheit sind zwei unterschiedliche Werkzeuge.
Beide Verhaltensinstrumente dürfen niemals dazu führen, dass du deine Eigenverantwortung an andere abgibst und sie dich vom Handeln abhalten. Viele Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr tun können, unterschätzen aber, was sie heute alles auf die Reihe bekommen könnten. – Was vor Händen liegt, das tue mit ganzer Kraft, lautet dazu der biblische Grundsatz.
Dieses “Schritt für Schritt vorangehen” wird auch ganz automatisch neue Hoffnung erzeugen, die auf realen Voraussetzungen beruht. Daneben sollte niemand einen Tag verbringen, an dem er nicht nach neuen Motivationsmöglichkeiten für sich sucht. Im Worte Gottes, am Beispiel erfolgreicher Menschen, im Gebet, im Lobpreis oder beim Erlernen neuer praktischer Fertigkeiten.
Dann wird es auch nicht mehr so schnell vorkommen, dass du völlig hoffnungslos mit einem Kreuzschlitzschraubenzieher vor einer scheinbar bockigen Schraube sitzt, die du nicht herausbekommst.
Wer kennt solche Situationen? Schreibt mir!
Günther, Cafe Inmeinerstrasse
Bild: A. Dreher;© pixelio.de
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