1. Simone, welches Erlebnis verbinden sie besonders mit Berlin? Was ist ihr Lieblingsplatz in Berlin?
Ich bin Berliner, geboren, aufgewachsen, nie weggezogen, daher hab ich viele Lieblingsplätze und verbinde mein gesamtes Leben mit dieser Stadt. Grundsätzlich habe ich aber immer dort “Lieblingsplätze”, wo ich meine Freunde habe, meine Familie. Aufgewachsen bin ich direkt neben dem Friedrichshain, an der Ecke “Königstor“, so hieß das “Dreiländereck” früher wohl. Einer meiner Lieblingsplätze ist heute der Garten und die Parkanlage im Schloß Charlottenburg wie auch der Lietzensee und seine Möglichkeit, ein Stück Natur zum Ausspannen mitten im Herzen der Hauptstadt zu erhaschen und zu genießen. Ich mag auch die Hinterhöfe dort, wo ich wohne, sehr.
2. Haben Sie ein Lieblingsgericht und ein Lieblingsbuch?
Oh, da könnte ich jetzt auch viel aufzählen. Ich bin bestechlich, wenn man mir mit Milchreis mit brauner Butter und Zucker+Zimt kommt oder auch mit Mamas Kohlrouladen. Ich esse sehr gern und genieße das Essen ausgiebigst. Ebenso mag ich aber auch einen großen kunterbunten Salat mit frisch gebackenem Fladenbrot, dazu ein gutes Getränk. Da gehts mir ebenso gut und ich fühl mich fast wie im siebten Himmel, wie wenn ich im Sommer auf einer Terrasse oder Balkon eine Tasse heißen Kakao trinken und dabei einfach das Leben hören und schauen darf.
Lieblingsbücher hab ich im Moment gleich 2 – zum einen “Angriff der Liebe” von Wilhard Becker und zum anderen “Im Schatten des Allmächtigen” von Elisabeth Elliot, der Frau des jungen Missionars Jim Elliot. Aber es gibt einige Bücher, die ich mag und auch Bücher, mit denen ich arbeite, die mich eher bilden, also keine Romane oder so. Als Kind las ich sehr viel, hab also viele Bücher aus dieser Zeit.
3. An welche Worte ihrer Eltern erinnern Sie sich am besten? – Wie waren ihre Eltern?
Obwohl meine Eltern in meiner frühen Kindheit Meister der Motivation waren, erinnere ich mich trotzdem eher an die negativen Worte und Situationen, die ich nicht wirklich zum Besten geben möchte. Meine Eltern sind ein Kapitel für sich in meinem Leben. Unsere Beziehung wandelt sich gerade zum Positiven und ich genieße fast jeden Augenblick, den wir heute haben, denn wir nähern uns als mündige, erwachsene Menschen einander an, ohne Vorwürfe, ohne Einmischung in das Leben des jeweils anderen.
4. Was waren die wichtigsten Stationen in ihrem Leben? Was waren konkrete, prägende Erlebnisse und Erfahrungen?
Wichtige Stationen? Alles im Leben ist doch wichtig und prägt die Persönlichkeit. Der Mensch ist die Summe seiner Erfahrungen. Von daher hat alles eine Bedeutung und einen Sinn. Eine Sache, die mein Leben lange Zeit ausmachte, war das exzessive Salsa-Tanzen. Konkrete Dinge, die mich lange Zeit prägten, waren die weniger glückliche Ehe, die ich ein paar Jahre führte, der unglückliche Start ins Leben (außerhalb der Eltern), ohne darauf vorbereitet worden zu sein.
5. Gab es besondere Glücksmomente oder Schicksalsschläge in ihrem Leben? Wie würden Sie diese beschreiben? Was hat Ihnen bei der Verarbeitung geholfen?
Die entscheidendsten Einschnitte in mein Leben waren der Beginn meines Erwachsenwerdens an sich und die Vergewaltigung durch meinen damaligen Freund. Sie haben am meisten Einfluss immer noch auf mein Leben. Verarbeitet hab ich lange Zeit nichts, dann endlich, 5 Jahre nach der Vergewaltigung eine Therapie, die erstaunlich schnell zu Ende ging. Und bei dieser ging es gar nicht vordergründig um die Vergewaltigung selbst, als mehr um mein zerstörtes Selbst, die Wiederherstellung meiner ‘persönlichen Integrität’.
In der Zeit fand ich Gott, oder Er mich. Er begleitete mich. Er führte mich in eine Gemeinde und alle gemeinsam standen wir diese Zeit durch. Ich durfte ein neues Leben beginnen. Teilweise fühle ich ich heute noch wie ein Teenager in manchen Situationen, weil einiges noch neu und fremd ist, aber ich habe immer Menschen an meiner Seite, die mich unterstützen, die mir Mut machen, mich begleiten. Durch Gott habe ich ein völlig neues Leben kennengelernt, bin glücklich und dankbar.
6. Haben Sie einen Lebenstraum? Wo befinden Sie sich gerade bei der Erfüllung dieses Traums?
Einen Lebenstraum habe ich nicht wirklich. Ich bin gern für andere da, sorge gern für sie und bin auch gern allein, tanke Ruhe und Frieden, bin kreativ. Ich hab schon lange Zeit eine Vorstellung von einem großen Haus, vielleicht mit einer Hazienda oder auch eine kleine Farm, die ich gemütlich einrichten kann mit einer großen Küche, mittendrin ein großer Küchentisch, wo ich mit Freunden sitzen und kochen kann und eben auch gut essen kann. Viele Kerzen stehen überall, sie geben so ein schönes warmes Licht. Im Wohnbereich steht ein Schaukelstuhl neben dem Sofa, es gibt einen Kamin, eine kleine “Handwerksecke” (für Frauen, also Stricken, Häkeln, Nähen …) – rundum gemütlich. Auf der Terrasse oder vor dem Haus eine Hollywood-Schaukel, ein Tisch und Stühle, vielleicht auch ein Schaukelstuhl, dazu dann im Sommer den Eistee und einfach gemütlich dasitzen und der Natur lauschen. Vielleicht sogar malen, wer weiß. Bisher hab ich immer gesagt, dazu bräuchte ich wohl noch einen sehr reichen Mann, denn ich besitze selbst kaum einen Penny, um das möglich zu machen. Aber wer weiß, was Gott noch so in meinem Leben mit mir vorhat?
7. Auf was sind sie besonders stolz – beruflich und menschlich? Was würden sie heute anders machen?
Stolz bin ich nicht wirklich auf etwas, was ich kann. Ich schreibe gern und schnell Schreibmaschine, heute ja eher auf der Computertastatur. Es macht mir Freude und ich freue mich umso mehr, wenn ich diese Begabung eben auch für andere einsetzen kann. Früher sagte ich mal über mich, ‘ich kann fast alles, aber nichts richtig’. Das ist schon irgendwie richtig – wenn ich alles wie ein Profi könnte, hätte ich wohl tausende Berufe ;o). Von meinem Vater lernte ich die handwerklichen Dinge, von meiner Mutter die hausfraulichen. Mein Vater ist der Romantiker und der Gefühlvollere, der auch sehr emotional ist, meine Mutter gab mir mehr das Praktische mit, was mir im Leben immer gut weitergeholfen hat. So bin ich insgesamt eine gute Mischung beider Elternteile. Rein menschlich war ich geprägt von dem, wie ich’s schon beschrieb. Ich wurde nicht gut vorbereitet auf das Leben, wurde von Problemen eher ferngehalten oder sie wurden für mich gelöst. Heute ist das anders, mein Leben ist ein anderes, gesünder und erfüllter.
Ich kann nicht sagen, ob ich heute etwas anders machen würde. Klar, mit dem Wissen von heute hätte ich in den zwanzigern meines Lebens ein komplett anderes Leben führen können. Ist aber nunmal nicht so.
8. Welchen Rat würden sie einem jungen Menschen heute geben, der gerade ins Leben startet?
Sei immer ehrlich, offen, höre auf Dein Herz, halte es rein und mach es auf für andere, es lohnt sich.
Vor Jahren hörte ich mal folgenden Spruch: “Alles was Du gibst, kommt 1000-fach zu Dir zurück; nicht immer gleich, aber garantiert immer.” Hinterfrage das Leben, die Welt, nur verfalle dabei nicht ins Grübeln, es bringt Dich nicht weiter. Es kommt nicht auf die großen, schrillen, weit sichtbaren Sachen im Leben an. Lerne, die kleinen Dinge zu bemerken, zu genießen, sie ergeben zusammen ein großes Ganzes. Übe Dich in Geduld und sei bescheiden.
9. Haben Sie Erfahrungen mit Gott oder dem Übernatürlichen gemacht?
Ja, das erwähnte ich ja schon. Gott half mir, als ich in Bedrängnis war. Ich war umringt von Schatten, die mich verfolgten. Bisher glaubte ich nicht an Gott, aber in meiner Verzweiflung bat ich genau diesen einmal wirklich um Hilfe, erinnerte mich an einen guten Freund, der mir genau das einmal riet und mir versprach, daß etwas passieren würde. Und tatsächlich: Gott kam, sah und siegte. Von einer Sekunde auf die andere war ich erfüllt von einem tiefen Frieden, einer Beruhigung und keine Schatten tauchten mehr auf. Nie wieder übrigens. Gott offenbarte sich mir. Seither wird unsere Beziehung immer enger und ich lerne, eine neues verändertes Leben zu führen mit ihm an meiner Seite. Gott wirkte bisher viele Wunder in meinem Leben, er spricht mit mir, manchmal sehr direkt, ich bin jedes Mal komplett aus dem Häuschen.
10. Was ist ihr Lebensmotto bzw. Lieblingszitat?
Ein einziges Lebensmotto habe ich nicht. Lieblingszitate habe ich wohl auch viele. Ein gutes, welches mir spontan grad einfällt ist folgendes: “Wenn Du immer nur das tust, was Du kannst, wirst Du auch immer nur das bleiben, was Du bist.”
Vielen Dank. Wir wünschen Ihnen, dass sich ihr Traum mit einer großen Wohnküche bald erfüllt!
Günther, www.inunsererstrasse.de
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Bild: Schloß Charlottenburg, Sascha Pauly, pixelio.de
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